Gelesen: "Runter kommen sie immer!" Hans Kantereit
"What goes up must come down", was mit "Runter kommen sie immer" frei übersetzt werden könnte, ist kein aktuelles Buch über die Finanzkrise. Es gibt somit auch keine praktischen Tipps, wie der Anleger verhindern kann, dass sich seine Anlagenpakete noch tiefer in den Erdboden drücken, sondern, "Runter kommen sie immer" ist ein zeitloses humoriges Büchlein über das Fliegen.
Herausgegeben wurde das Buch von Hans Kantereit im Lappan-Verlag. Der Verlag also, den ich bislang mit all den urkomischen Büchern des von mir geliebten Cartoonisten Uli Stein in Verbindung bringe.
Insoweit weckt das im Januar 2008 96seitige Büchlein aus solch einem Verlag recht hohe Erwartungen, was den Humorfaktor anbelangt.
Der Autor, dem sich Thomas Weyh als ebenbürtiger Zeichner dazugesellt und der die Texte wunderbar ironisch mit seinen Cartoons unterstreicht, richtet sich mehr an die Passagiere, obgleich das fliegende Personal gewiss auch so manch Schmunzeln erleben kann.
Nachdem eine recht gelungene ultrakurze Abhandlung über die Geschichte der Luftfahrt den Beginn der Buches macht, folgt ein ebenso kurzer ironischer Abriss über den Flug, unterteilt in: Start,Steigflug, Reiseflug, Landeanflug und Landung. Dem schließt sich ein Kapitel über die Flugangst an und danach folgt in höchst eigenwilliger, aber zumindestens alphabetischer Zusammenstellung ein kleines Lexikon des Luftverkehrs von "A" wie Abwehr ("Abwehrreaktionen der heftigsten Art erzeugt meist der On-board-Kaffee, aber dazu dort mehr.") über "Blindenhund", "Käsebrot", "Rentner" bis hin zu "Zittrige Landung", bei der ebenfalls wieder ein dem Autor wichtiges Thema, "der Bordkaffee", aufgegriffen wird.
Überhaupt zieht sich der schale Kaffeegeschmack wie ein roter Faden durch das Buch und am Ende bleibt einem genau diese schon fast pathologische Boardkaffee-Abneigung des Autors in Erinnerung.
Ansonsten, ich gestehe, ich habe extra nochmals geprüft, wann genau dieses Buch zuerst erschienen ist, wirken die Texte ein wenig unausgegoren und leicht antiquiert und zwar deswegen, weil spürbar ist, wie sehr sich der Autor bemüht hat, besonders witzig zu sein.
So folgt kurz vor Ende des Buches eine "Typologie der lästigsten mitreisenden Bazillen", die meinen Humorgeschmack nicht getroffen haben und am Ende wird in einer Art Quiz versucht, noch ein paar Seiten dranzuhängen. Aber Fragen wie "Was findet man garantiert nicht in einer Abfertigungshalle? a) Standesamt b) Kirche c) Entbindungsstation d) Moschee" sind meiner Meinung nach humorlos.
Nun gibt es manche Plots, die geben einfach nicht viel her und dann wäre es schlicht unfair, wenn man dem Autor vorhalten würde, er hätte mehr daraus machen können. Das Thema Fliegerei ist jedoch unerschöpflich, was die Themen und Blickwinkel darauf anbelangt, so dass ich hier als Kritik hinterlassen möchte, dass der Autor mehr aus diesem Buch hätte machen können.
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